Tablet Publishing – das eMagazin

E-MagazinDas eMagazin fristet im deutschsprachigen Raum noch ein Nischendasein. Der US-amerikanische Markt ist da weiter und die Akzeptanz von reinen eMagazinen größer als hier. Warum deutsche Unternehmen da hinterherhinken hat vor allem zwei Gründe. Einerseits scheuen Sie noch die Investitionskosten, obwohl die Aussichten sehr gut sind. Und zum Anderen zeigt sich eine Art Mauer, sich auf das neue Medium eMagazin einzulassen.

anja-faesser-eMagazin-erstellenBei der Recherche zum Content-Format des eMagazins sind wir schnell an unsere Grenzen gestoßen. Umfassende Informationen und Insights sind nur schwer zu bekommen und für uns nur schwer in einen größeren Kontext zu setzen. Daher haben wir uns entschieden diesen Beitrag unserer Blog-Serie komplett in die Hände einer eMagazin-Expertin zu legen.

Anja Faeßer ist seit 25 Jahren Agenturinhaberin von camera-obscura.agency, Berlinerin seit 50 Jahren, leidenschaftliche Köchin (O-Ton Anja: „Schmeckt leider nicht Jedem“), Seglerin und Profi zum Thema Wie Menschen verstehen.

Wenn es Sonntagmorgen im Sportteil spannend wurde, dann wurde das Familienleben langweilig.
Mann las, Frau wusch ab – so der klassische Entspannungsmoment vor noch ein paar Jahren. Okay, sehr plakativ und überspitzt formuliert. Heute ist es immer oft nicht mehr das Rascheln der Sonntagszeitung, das uns begleitet. Immer häufiger ist es das Tablet. Der Markt der digital lesenden Menschen in allen Altersgruppen wächst sprunghaft. Laut Statista wird sich bis 2020 der Leseranteil in bestimmten Lesergruppen mehr als verdoppeln. Auch interessant: Noch immer werden die Männer den größeren Anteil der Zielgruppen belegen, aber die Wachstumsrate der Frauen ist größer. Im Segment eMagazin wird die Anzahl der Nutzer im Jahr 2020 laut Prognose 2,8 Mio. betragen.

Woran liegt das?

Interaktive Inhalte sind spannender und zielführender. Ein Beispiel: Ein Magazin mit Kochrezepten, in dem nicht nur die Arbeitsschritte beschrieben werden, sondern rundherum mit Grafiken, Bildergalerien und Video-Tutorials punktet, macht einfach mehr Spaß. Der Nutzer sieht, wie das gewünschte Ergebnis zu erzielen ist und wie das Gericht aussehen soll. In Omas Kochbuch steht oft nur ein kurzer Text und das Rezept. Ob mein Gericht nun genau so oder anders schmecken und aussehen sollte, bleibt für immer ein Geheimnis. Für Autoren in diesem Sektor ist es schon einmal eine gute Idee, sich visuell und interaktiv zu präsentieren.

Wo ist dann der Unterschied zu einer klassischen Internetseite? Da geht doch das alles auch.

Richtig. Der Mehrwert für den Leser liegt im geschlossen Format. In einem eMagazin liegen Filme, Grafiken, Fotografien in Galerien – sogar mit einzelnen Überlegern – sowie Texte mit und ohne Vorlesefunktion (barrierefrei) als feste Gestaltung im virtuellen Bücherregal. Der Nutzer selbst hat die Hoheit über seine persönlichen Magazine, die er sich aufrufen kann, wo und wann immer er möchte. In Abhängigkeit des Publishers können sämtliche Inhalte auch ohne Internetverbindung abgerufen werden. „In Abhängigkeit“… bedeutet, dass der Herausgeber durchaus wählen kann, ob z. B. ein Film tatsächlich im Magazin hinterlegt wird oder ob dieser in der Cloud oder einem Social-Media-Kanal, z. B. YouTube, hinterlegt und bei Abruf gestreamt wird. Bei Texten, Bildern und Audio-Files macht dies keinen Sinn. Bei Filmen entstehen leicht große Datenmengen und letztendlich entscheidet die Download-Menge in Terrabyte pro Jahr über die Lizenzkosten für die Veröffentlichung des eMagazins bei der Kiosklizenz.

Zwei Beispiele für eMagazine

eMagazin essen&trinken

 

eMagazin weiter.vorn vom Fraunhofer Institut

 

Bleiben wir beim Nutzen: Wo liegt der Nutzen für den Herausgeber?

Unternehmen sind immer auf der Suche nach „weißen Flecken“ auf der Landkarte, nach einem Ort, wo sich noch kein anderer präsentiert hat. In Bezug auf Präsentationsflächen ist das eMagazin so eine Fläche. Hat ein Unternehmen beispielsweise eine Produktpräsentation in Planung, erhält dieses Unternehmen eine Präsenz, die eine zusätzliche Wahrnehmungsebene bietet und für Google relevant ist. Außerdem ist das Produkt in der App-Store-Welt zusätzlich auffindbar. Tablet Publishing als Format eMagazin ist bereits bei Google Play, im Microsoft Store und im Apple App Store integriert.

Ein weiterer Vorteil ist die virtuelle Lieferung des Produkts. Über den Kiosk (Multi App) erhält Ihr Leser ein Bücherregal, das ausschließlich der Herausgeber beschicken kann. Dort kann sich der Leser die Magazine gratis aussuchen oder kaufen, die er gerne lesen möchte. Das Angebot reicht von Fachmagazinen über Lifestylemagazine, Produktpräsentationen, Bauanleitungen, Reiseführern bis hin zur Tageszeitung. Und das branchenunabhängig. Sie erreichen Ihren Leser emotional. Denken Sie daran: Der Kopf prüft – der Bauch kauft. Das gilt besonders für das Format des eMagazins.

So weit, so gut: Wie erstellt man ein eMagazin?

Wichtig ist: Ein eMagazin ist kein PDF, welches beispielsweise aus Word unkompliziert ausgegeben werden kann. Tablet Publishing ist ein hochkomplexes Thema, das ausschließlich von Fachbetrieben ausgeführt werden kann. Ein eMagazin benötigt in erster Linie „Futter“. Content in Form von Text, Film, Fotografien und es muss genau wie die Mutter, das Printmagazin, präzise geplant und gestaltet werden.

Und nein – ein eMagazin ist KEINE digitale Kopie eines Printmagazins. Der interaktive Inhalt fordert wesentlich mehr Vorstellungskraft als eine physikalische Seitenbegrenzung.

Schafft es ein Unternehmen, einen spannenden, multimedialen Inhalt zu liefern, lohnt sich schon eine einmalige Veröffentlichung als Single App. Das bedeutet, dass beispielsweise eine Imagebroschüre für einen Mittelständler durchaus Sinn macht und gewünschten Mehrwert liefert. Insbesondere, wenn dieses Unternehmen sich thematisch mit digitalen Themen beschäftigt. So lässt sich die Zielgruppe direkt erreichen. Was funktioniert besser in Sachen Trust, als eine exzellente digitale Umsetzung des digitalen Expertenstatus?

 

Mit welchen Kosten muss man rechnen?

Die Produktionskosten setzen sich aus folgenden Teilen zusammen:

  1. Planung und Gestaltung
  2. Erstellen von professionellen Texten inkl. Lektorat
  3. Bildmaterial
  4. Imagefilm, Produktfilm, Tutorial, Erklär-Video
  5. Audios, z. B. Vorlesen (muss eingesprochen werden) oder Hörproben, Podcasts
  6. Erstellen der Produktionsanweisungen
  7. Lizenzanbieter wählen (Lizenzgebühren)
  8. Technischer Aufbau, Interaktivität herstellen
  9. Freigabe und Korrekturlauf
  10. Publizieren: Übergabe an den Zertifizierungsprozess des APP-Stores, Freigabe/Korrektur, Veröffentlichung im Store.

Wenn ich eine preisliche Hausnummer nennen sollte, dann würde ich die Untergrenze bei etwa 10.000 Euro setzen. Nach oben hin sind der Umsetzung keine Grenzen gesetzt. Immer ein wichtiger Bestandteil sind die Kosten der Lizensierung.

Was ist ein Lizenzmodell?

Am bekanntesten ist die Adobe Digital Publishing Suite (DPS). Derzeit müssen Unternehmen dort genau sagen, wie viele Downloads erwartet werden und welche Zielgruppe erreicht werden soll. Glauben Sie mir – welche Informationen noch gegeben werden müssen, möchten Sie nicht wissen. Sie können sich vor diesem Hintergrund bestimmt vorstellen, dass viele Begeisterte schnell die Übersicht und die Lust am eMagazin verlieren. Es wird bei Adobe gegenwärtig am Grundsystem gearbeitet, da sie auch mitbekommen haben, dass zu wenig planbar ist. Es hat ein wenig gedauert, da Adobe vom US-amerikanischen Markt anderes gewohnt ist.


Die USA haben ein Marktvolumen von 510 Millionen Euro. Im Vergleich dazu schafft es Deutschland weltweit auf Platz 5 mit einem Marktvolumen von knapp 50 Millionen Euro. Die hiesige Wertschöpfungskette steckt noch in den Kinderschuhen und die Bereitschaft zu investieren leider auch.

Aber natürlich gibt es alternative Anbieter mit unterschiedlichsten Modellen. Ein grober Richtwert für eine Einsteigerlösung als Single App liegt bei unter 1.000 Euro und für eine Multi-App (Kiosk) liegt die Lizensierung bei etwa 2.500 Euro. Hier muss im Einzelfall geschaut werden, was genau die beste Lösung ist. Die Adobe DPS-Lizenzierung beginnt ab 5.500 Euro.

Sie können also für ein eMagazin mit mindestens 10.000 Euro rechnen. Kalkulationen, die darunterliegen, halte ich persönlich für Scharlatanerie.

Wachstum und Absatz

Unternehmen, die aktives Marketing und Branding betreiben, beklagen sich, dass es kaum Mediadaten für Anzeigenschaltungen im Tablet- und Phablet-Publishing gibt. Die großen Marken wollen Geld ausgeben und schaffen es nicht. Was sagt uns das? Für die Unternehmen, die ernsthaft mit dem Gedanken schwanger gehen, sich auf dieser Ebene präsentieren zu wollen, sei gesagt, dass der Anzeigenmarkt händeringend auf Information wartet, um zu buchen. Somit ist es durchaus sinnvoll, zu einem gewissen Anteil Kosten gegen Erlöse zu kalkulieren. Wenn Sie nicht nur Ihre Eigenpräsenz fördern wollen, sondern ein neues Magazinformat planen, dann beziehen Sie die Vermarktung des eMagazins mit ein.

Laut Statista liegt der durchschnittliche Erlös pro Nutzer (ARPU, engl. Average Revenue Per User) im Segment eMagazin im Jahr 2016 bei 41,56 Euro und wird auf 46,11 Euro im Jahr 2020 prognostiziert. Derzeit haben wir ein Umsatzvolumen in Höhe von circa 50 Millionen Euro im Jahr 2016 und erwarten einen Anstieg beim Umsatzvolumen auf 130 Millionen Euro im Jahr 2020 in diesem Segment.

 

Fazit

Für mich persönlich steht fest, dass das eMagazin DAS Medium der Zukunft ist. Wir stehen hier erst am Anfang des Machbaren, denn was alles geht, wird derzeit noch nicht vollständig umgesetzt. Mein Team und ich setzen uns schon seit Jahren mit diesem Thema auseinander und wir sind auf jeden Kunden stolz, der diesen Weg mit uns geht. Es erfordert Mut und den unbedingten Willen, innovativ zu sein und damit langfristig Erfolg in der Präsenz zu haben. Aber dieses Kreuz tragen Visionäre immer.

 

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geschrieben von: Gastautor

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