„How to stop a Thumb“ – 3 Tipps für mehr Klicks

Die Social Media Week 2014 ist nun schon einige Zeit her und hat doch ein paar bleibende Eindrücke bei mir hinterlassen. Einer von ihnen ist die Frage, wie man einen Daumen zum Stoppen bringt. Während sich dieser Satz auf Deutsch etwas seltsam anhört, ergab er auf der englischlastigen Konferenz tatsächlich Sinn.

Zwei Abgesandte von Vice sprachen nämlich darüber, wie man Social-Media-Nutzer heute noch dazu bewegen kann, einen Beitrag anzuklicken. Wie können sie dazu gebracht werden, beim Überfliegen ihres Newsfeeds bei Facebook (aber auch auf Tumblr, Twitter und Instagram) einer Meldung wirkliche Aufmerksamkeit zu schenken? Was stoppt ihren Daumen beim Scrollen und animiert sie, eine Meldung zu lesen?

Auch wenn der 45-minütige Vortrag einen guten Schuss Selbstbeweihräucherung enthielt, schafften es die beiden Vice-Mitarbeiter dennoch, den Zuhörern die Schwierigkeiten des heutigen Social-Media-Overloads zu verdeutlichen und einige gute Impulse mit auf den Weg zu geben. Denn wer beruflich mit Social Media zu tun hat oder sie privat nutzt, weiß, wie groß die Masse an Informationen ist, die täglich auf einen einstürzt. In diesem Wust von News, Meldungen, Fotos, Freundschaftsanfragen und Status-Updates sind es meist ganz spezielle Beiträge, die das Auge des Betrachters fesseln und ihn dazu veranlassen, das Rädchen an der Maus nicht weiterzubewegen, oder den Daumen davon abhalten, weiter durch den Feed zu scrollen.

Warum ist der Daumen so wichtig?

Smartphone: The Place to Be

Das von mir hier ergänzte Scrollen mit der Maus war kein Bestandteil des Vice-Vortrags – und das aus gutem Grund. Denn laut einer Onlinestudie von ARD und ZDF bewegen sich bereits 50 Prozent aller Internetnutzer mobil im Internet – also mit dem Smartphone oder Tablet. In der Altersgruppe der 16- bis 18-Jährigen nutzen laut einer BITKOM-Umfrage sogar 88 Prozent der Jugendlichen das Internet unterwegs auf dem Smartphone – und das durchschnittlich 115 Minuten pro Tag. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass ein großer und zudem wachsender Teil der deutschen Bevölkerung eher den Daumen als die Computermaus zum Scrollen benutzt. An dieser Stelle sei gesagt, dass natürlich auch andere Finger zum Scrollen eingesetzt werden – der Daumen ist jedoch der am häufigsten verwendete Finger.

 

„How to stop a Thumb“

Wie gesagt zielte der Slogan des Vice-Vortrages darauf ab, den Zuhörern zu vermitteln, wie Social-Media-Nutzer begeistert werden können. Was braucht es also, um aus einem Facebook-Beitrag einen Beitrag zu machen, den die Menschen lesen, anklicken und teilen? Wichtig hierfür ist vor allem die Auge-Hand-Koordination (oder Visuomotorik), da der Daumen beim Scrollen unmittelbar darauf reagiert, was das Auge auf dem kleinen Bildschirm sieht. Fliegt der Newsfeed am Nutzer vorbei, so erregen nur einige wenige Beiträge wirklich seine Aufmerksamkeit. Und diese haben einiges gemeinsam. Um die eigenen Social-Media-Beiträge zu optimieren, sollten wir uns deswegen unbedingt an ihren Merkmalen orientieren. Denn nur diese wenigen Beiträge schaffen es, die Aufmerksamkeit des Nutzers zu fokussieren und ihn dazu zu bringen, den rollenden Newsfeed mit dem Daumen zu stoppen. Eventuell ist er sogar bereit zurückzuscrollen, um den Beitrag nochmals genauer zu inspizieren. Ist er dann gehaltvoll, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Nutzer ihn durchliest, eventuell gesetzte Links anklickt oder den Artikel sogar teilt.

Unsere 3 Tipps für mehr Klicks

1. Bilder oder Videos verwenden

Wer seinen eigenen Facebook-Newsfeed auf dem Smartphone oder Tablet kennt, weiß, dass dieser verhältnismäßig textlastig ist. Genau aus diesem Grund empfiehlt es sich, mit hochwertigen Bildern, Fotos oder Videos zu arbeiten, um hier einen Bruch zu schaffen. Dieser Bruch erregt automatisch die Aufmerksamkeit des Lesers, da zwischen all den Textbeiträgen plötzlich etwas anderes auftaucht. Farbenfrohe Bilder schaffen dies noch eher als Schwarzweißfotografien. Handelt es sich nun sogar um emotionale Bilder, dann hat man den User mit großer Wahrscheinlichkeit bereits an der Angel. Denn Bilder, die Emotionen beim Nutzer wecken, schaffen sofort eine Verknüpfung zwischen dem Gesehenen und einem Gefühl, weil beides im rechten Teil des Gehirns verarbeitet wird.

2. Interaktionsgruppenrelevante Inhalte bieten

Auf Facebook, Twitter und Tumblr wird schon länger nicht mehr „gezielt“, heute wird „interagiert“. Aus diesem Grund spricht man im Social-Media-Umfeld nur noch selten von einer Zielgruppe – mittlerweile nennt sich diese Interaktionsgruppe. Der Fokus der Netzwerke liegt immer mehr auf der Interaktion und Kommunikation zwischen verschiedenen (realen oder fiktiven) Personen. Hier geht es nicht bloß darum, einen Nutzer für sich zu gewinnen oder darum, ihn zu einer Kaufentscheidung zu bewegen. Es geht darum, ihn zu begeistern. Bei ihm, in seiner momentanen Befindlichkeit, echte Emotionen zu wecken. Diese Emotionen stellen dann eine Beziehung zwischen dem Leser und dem Ersteller des Beitrages her. Erst dann beginnt die Interaktion. Darum sollten Sie analysieren, wer sich in der eigenen Interaktionsgruppe befindet. Welche Vorlieben und Bedürfnisse haben diese Menschen? Welche Beiträge und Bilder liken sie, welche Unternehmen favorisieren sie? Mit großer Wahrscheinlichkeit lässt sich diese Gruppe weder geschlechtlich noch altersmäßig genau eingrenzen – sie wird heterogen sein. Doch in dieser Heterogenität hat sie eines gemeinsam: Sie fühlt sich von Ihnen und Ihren Beiträgen angesprochen.

Um Ihre Interaktionsgruppe weiterhin zu begeistern, sollten Sie herausfinden, was genau diese Nutzer an Ihren Beiträgen schätzen: Welche Emotionen wecken Sie genau? Welche Gefühle rufen Sie hervor? Um dies herauszufinden, eignet sich das Lesen der abgegebenen Kommentare! Sobald Sie dies ungefähr eingrenzen können, optimieren Sie Ihre Beiträge dahingehend – denn umso stärker die generierte Emotion ist, umso enger wird die Verbindung zwischen dem Nutzer und Ihrem Beitrag sein. Kurz: Umso länger bleibt Ihr Beitrag im Gedächtnis und umso eher wird er geteilt.

3. Aufmerksamkeit erregen

Dieser Punkt vereint den ersten mit dem zweiten Tipp. Denn mit beiden kann große Aufmerksamkeit erregt werden – wenn sie richtig eingesetzt werden. Jedoch kann die Aufmerksamkeit noch gesteigert werden: Wenn Sie wissen, auf welche Art und Weise Sie Ihre Interaktionsgruppe ansprechen können, dann setzen Sie es gezielt ein. Und zwar mit News, Beiträgen und Posts, die Menschen mitreißen. Ja, niedliche Katzenfotos bewegen Herzen und lassen die Nutzer „Ooooohhh“ denken. Doch welche Reaktion folgt danach? Meist keine. Wenn es Ihr Ziel ist, mehr Traffic auf Ihren Social-Media-Kanälen zu erzeugen, dann reichen Ihnen kurze „Ooohhhs“ nicht aus. Klick- und Konversionraten beeinflussen Sie damit nämlich nicht.

Schaffen Sie Content, der Menschen nicht nur begeistert, sondern ihnen den Atem raubt. Je nachdem, wie Ihre Interaktionsgruppe aufgestellt ist, können solche Beiträge sehr, sehr unterschiedlich ausfallen. Die Spanne reicht von großen Gewinnspielen und grandioser Fotografie über schockierende Meldungen oder bewegende Geschichten bis hin zu brandaktuellen Wirtschaftsnews oder emotionsgeladenen Videos. Heben Sie sich von den anderen ab, achten Sie dabei jedoch stets auf die Bedürfnisse Ihrer Interaktionsgruppe. Denn genau hier liegen Ihre Klicks im Social-Media-Bereich verborgen. Alles steht und fällt mit dem Menschen hinter dem Smartphone. Nur wenn Sie diesen mitreißen, werden Sie sichtbare Veränderungen in Ihren Zahlen sehen.

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geschrieben von: Sandra Kölling

Sandra Kölling

Sandra ist Online-Redakteurin bei textbest und verantwortet die fremdsprachliche Textproduktion. Als Sprachexpertin bloggt sie über Content-Marketing im angelsächsischen Sprachraum und zu Themen der Internationalisierung.

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