Empört euch! Smartphone-Check während Gespräch ist unhöflich!

In Zeiten geistesgenialer Gedankenblitze und schier überbordender Facebook-Archive darf eines natürlich nicht zu kurz kommen: Das Smartphone, heiliger Gral einer ganzen Generation. Es wird gescrollt, gesurft, gewhatsappt – und das nicht nur verschämt und allein hinter verschlossenen Türen. „Phubbing“, so der hippe Ausdruck für die vehemente Nutzung des Smartphones in Anwesenheit anderer gesprächswilliger Personen ist längst verbreitet. Eine Kampagne soll diesem „Phänomen“ nun Einhalt gebieten – Also: Empört euch gefälligst!

Phubbing here, Phubbing there, Phubbing everywhere

Mit Erfindung der Eisenbahn warnten Forscher vor deren verheerenden Einfluss auf die menschliche Psyche. Geschwindigkeiten von 30 Stundenkilometern und mehr könnten zur unumkehrbaren Verwirrung des menschlichen Gehirns führen. Heutzutage lächeln die meisten Jugendlichen angesichts dieses lahmen Tempos. Was sind schon 30 Stundenkilometer, wenn der schnellste SMS-Schreiber der Welt 3,5 Zeichen pro Sekunde in sein Smartphone hacken kann? Ja, wir texten, simsen und mailen was das Zeug hält. Immer und überall. „Phubbing“ nennt sich dieses Phänomen, das Jugendliche und solche, die es gerne sein möchten, mit ihren Smartphones verwachsen lässt. Dieser Begriff ist eine Wortneuschöpfung aus den beiden englischen Begriffen „phone“ (Telefon) und „snubbing“ (jemanden vor den Kopf stoßen). Vor den Kopf gestoßen fühlen sich vor allem diejenigen, die sich noch altmodisch mit ihrem Gegenüber unterhalten möchten. Alex Haigh, umtriebiger Australier und Initiator der Kampagne „Stopp Phubbing“ will sich die notorischen „Phubber“ nun zur virtuellen Brust nehmen.

Gestatten? „Phubber“ mein Name. Als Partnerin kommt für mich nur ein Smartphone in Frage

Seine Mitmenschen zu brüskieren, ist ein ebenso alter Volkssport wie die menschliche Fortpflanzung. Dies fällt mit moderner Unterhaltungselektronik jedoch noch viel leichter: Kurz mal das Gespräch unterbrechen, Halt! Da kommt gerade eine wichtige SMS herein! Alex Haigh hat mittlerweile genug vom elektronischen Sozialmord. Dabei kam ihm die Idee zu seiner Kampagne „Stopp Phubbing“ vor etwa einem Jahr im Gespräch mit Kommilitonen. Zunächst ungläubig sei ihm aufgefallen, dass sich auch Andere von der dauerhaften elektronischen Habachtstellung gestört fühlten. Von der Idee zur fertigen Website war es dann nur noch ein kleiner, digitaler Schritt, den Haigh mit Hilfe einer australischen Werbeagentur verwirklichte.

Es tut mir leid, aber dein abgestorbenes Sozialverhalten tangiert mein persönliches Wohlbefinden

Nun aber alt und verknöchert den schrumpeligen Zeigefinger in die Luft zu recken, das ist Alex Haigh zu plakativ. Stattdessen findet die Smartphone-Manie seiner Generation in den ironischen Untertönen seiner Website Gehör: Vom Anti-Phubbing-Plakat für genervte Restaurantbesitzer bis hin zum vorformulierten Text für gepeinigte Phubbing-Opfer – Haighs Kampagne scheint den Nerv vieler Menschen zu treffen. Trotzdem konnte man die Kampagne zuerst nun wirklich nicht als schmissigen Selbstläufer bezeichnen. Erst durch die Aufmerksamkeit verschiedener australischer Blogs und Nachrichtenportale wurden auch mediale Schwergewichte wie die britische BBC und unterschiedliche US-amerikanische Nachrichtenportale aufmerksam – die Besucherzahlen gingen durch die Decke. Dabei ist jeder fünfte Besucher deutsch. Kein Wunder: Das Mutterschiff aller Phubber ist nämlich die USA – und was von dort kommt, kann ja schließlich nicht schlecht sein!

geschrieben von: Vivecca Frank

Vivecca Frank

Vivecca nutzt das textbest-Blog als Austragungsort von digitalem Wellengang, Diskurs und Information. Sie sehnen sich nach einer Kolumne mit Sucht-Potenzial? Voilà – stillen Sie Ihren Durst und tauchen Sie ein in Veccis Mikrokosmos!

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